Berit Zemke

CV   |   Interview mit Berit Zemke | www.beritzemke.de

Getting Physical
STIER | ZEMKE | VOLIC
09.10.11 – 04.11.11

CV:

* in Rostock in der ehemaligen DDR.

Nach dem Abitur 13-monatiger Aufenthalt in New Haven und New York. Studium der Psychologie an der TU Berlin. Drei Jahre in der Diagnostik an der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Charité Berlin; drei Jahre in der Forschung an der TU Berlin, Schwerpunkt Methoden der Psychologie, tätig. Autodidaktisches Studium von Kunst und Film inklusive Kamera, Schnitt, Animation etc. Seit 2008 als freischaffende Künstlerin in Berlin tätig.

Exhibition/Screening/Performance

2011

art sea. poti. georgia / contemporary art workshop. screening. gesture I – III
weissfaktor : raum fuer zeitgenoessische kunst. berlin /solo exhibition. gesture I – III
kunsthalle am hamburger platz. berlin /leistungsschau. uncensored group exhibition. punkt.aus.ende.

2010

goethe instituion. georgia / screening. bangkok monamour
national museum tbilisi. georgia / encounter with pirosmani. group exhibition. pirosmani blue
westwendischer kunstverein. gartow. germany / beer. group exhibition. polar vector
zeit online. hamburg. germany / internet screening. telstar

2009

galerie raab. berlin / beer. group exhibition. polar vector
alte post neukölln. berlin / consciences and frontiers. group exhibition. eq
checkpoint charlie. berlin + zeit online / vfc. urban screening. borderliner
emaf. osnabrueck. germany / festival. performance. surrogatmarker
caszuidas. amsterdam. netherlands / vfc. urban screening. borderliner
.chb. berlin / vfc. urban screening. borderliner
melkweg. amsterdam. netherlands / die wende festival. group exhibition. borderliner

Interview mit Berit Zemke:

Erzähle uns etwas zur Entstehung deiner Arbeiten. Wie kam es dazu?

EQ | Obwohl es seit der Antike Aufzeichnungen zum Thema Emotionen gibt, gibt es keine wirkliche Erkenntnis. Ich habe Freunde gebeten, mir zu bestimmten Emotionen entsprechende Situationen zu erzählen. Diese beschriebenen Situationen bekamen Schauspieler vorgelegt, ohne dass sie wussten, welche Emotion dahinter steht, und sie spielten ihre Reaktion auf diese Situationen darauf nonverbal vor der Kamera. Überraschend war für mich, wie extrem unterschiedlich auf die gleiche Situation reagiert wurde. Wann beginnt die Interpretation, habe ich mich da gefragt. Für den Zuschauer kann es sehr spannend werden, sich auf die Gesichter einzulassen und mit ihnen in eine Interaktion zu treten.

GESTURE I – III | Ich beschäftige mich viel mit Metaphysik und da brauche ich feste Strukturen in denen sich mein Geist bewegen kann. Gesture I – III ist eine gegenständliche Arbeit auf 16mm Film. Die Objekte sind nicht am Computer eingefärbt o.ä. Da sie auf Green Screen gedreht wurden, wäre das einfach gewesen. Doch ich wollte den jeweiligen Gegenstand zeigen, wie er ist, und habe die Box und die Fächer wie abgebildet hergestellt. Gesture I – III wird normalerweise von einem Filmprojektor abgespielt. Der Projektor und sein Sound sind Teil des Konzepts. Inzwischen ist alles so auf Beamer und Screen geeicht, dass diese Art der Vorführung immer schwieriger wird. Ich freue mich natürlich, dass 25Bilder/Sekunde diese Arbeit trotzdem zeigt.

Warum Videokunst? Welche Möglichkeiten bietet dir die Arbeit mit Video?

Video heißt „ich sehe“. Ich glaube, das trifft meine Entscheidung für dieses Medium ganz gut. Sehen ist ein weiter Begriff, der für mich weniger mit Bild zu tun hat. Im Gegensatz zu anderen Medien inklusive Film geht es bei Video eher um Parameter wie Zeit, Überlagerung und Raum. Die Medientheoretiker und auch der Pionier der Videokunst Nam June Paik sehen im Video überhaupt kein Bild. Es fungiert dann als „medientechnisches Dispositiv“, das simuliert. Das ist für jemanden wie mich, die aus der Wissenschaft kommt, ein Traum zum Arbeiten. Es ermöglicht mir eine sehr freie Auseinandersetzung, eine Art Phänomenologie zu betreiben. Interessanterweise habe ich für Gesture I – III von vornherein Film anvisiert, Video hat einfach nicht gepasst. Die theoretische Auflösung kam viel später.

Welche Themen interessieren dich in deiner Arbeit? Womit beschäftigst du dich?

Psychologie habe ich aus purem Interesse am Sein studiert. Dieses Existieren in etwas, mit etwas, das fasziniert mich sehr. Da das ein weites Feld ist, kann ich es nur in lauter Unterthemen splitten, in meinen Fall also in lauter Arbeiten. Bis jetzt sind das z. B. Themen wie Emotion, Heimat, Identität, Freiheit, Liebe, Angst, Tod, Unendlichkeit, Religion, Krieg, Transformation. Eine Gefahr sehe ich für mich, im kunstgeschichtlichen „Limbus“ hängen zu bleiben. Denn mir ist es wichtig, die Themen im Kontext zu sehen: Woher kommen die Annahmen in der Wissenschaft? Was lässt einen Menschen in einer Situation genau so handeln? Wie formt sich eine bestimmte Gesellschaft heraus? Es geht mir weniger um die Kausalität als darum, die Entwicklung zu verstehen; Zeit wirklich anzunehmen. In der Kunst finde ich dieses Wissen bei aller Spannung eher kontraindiziert. Da ist Geschichte wie ein Gefängnis –  ganz anders war es in der Psychologie, da hat sie mich daraus befreit.

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2 Antworten zu Berit Zemke

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