Barbara Hindahl

CV   |   Interview mit/with Barbara Hindahl

Bild.Störung
HAHN | HINDAHL | DITTRICH | DANNECKER
25.02.-30.03.12
kuratiert von Simone Kraft 

CV:

geboren im Ruhrgebiet, lebt und arbeitet in Mannheim. Nach dem Studium der Germanistik und der Kunstgeschichte studierte sie Malerei an der Staatlichen Akademie in Karlsruhe. Seit 2005 ist sie Dozentin für freie künstlerische Arbeit an der Freien Kunstakademie in Mannheim. Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt. 2010 erhielt sie den Helene-Hecht-Preis der Stadt Mannheim, und sie ist Mitbegründerin von KING KONG Contemporary Art Project.

Interview mit/with Barbara Hindahl:

Erzähle uns etwas zur Entstehung deiner Arbeiten, die wir zeigen. Wie kam es dazu?

Four Pieces in Real Time
je max. 3 minuten, 2005

Ich bemerkte, wie schnell sich früh morgens im Winter der Schatten über die Rückwand meines Ateliers bewegte. Der sehr langsamen Bewegung des Schattens mit den Augen zu folgen und das Flackern an seinen Rändern zu beobachten, hat mich sehr bewegt. So beschloss ich, ein Video als eine Art „Bewegtes Tafelbild“ mit einer sehr einfachen Fotokamera zu filmen.

Diese Kamera rechnete die Bildschärfe der fast grauen Schatten auf weisser Wand mit farbigen Pixeln. Die Ansicht eines elektronisch aufgenommenen  Bildes das sich langsam immer mehr verdunkelt und dabei das Grau in farbige Graus auflöst, gefiel mir sehr. Und so … arbeitete ich über mehrere Stücke in Echtzeit damit.

I noticed how fast the shadow trespassed the rear wall of my studio between the end of november and the middle of january before 9.00 o’clock a.m. It was very touching to follow the shadow’s very slow movement with my eyes and watch its flickering edges. So I decided  to produce a  video as a kind of ‚changing painting‘ with a very simple photo camera.

That camera calculated the sharpness of the pictures of grey shadow on a white wall with coloured dots. I liked the view of an electronic picture that is getting more and more dark grey by the slightly visible means of coloured dots.  And so …. I did it!

83 Beats
01:05, 2007

83 Beats ist entstanden im Rahmen der Saloon-Ausstellung in PENG!__raum für kunst Mannheim. Für den Western-Kontext brauchte man Prügelszenen, aber keiner war bereit, mit mir eine Keilerei einzustudieren. So entschied ich ein Video mit Faustschlägen aus vorwiegend Western zusammenzustellen. 86 Beats dauert 52 Sekunden, tut streckenweise richtig weh beim Anschauen und ist meiner Meinung nach ein pazifistisches Video, da die dargestellte Gewalt abschreckt und sich deutlich von elektronisch geführten Kriegen unterscheidet.

I made 83 beats for the exhibition Saloon in PENG!__raum für kunst mannheim. In my mind, Saloon needed some pricks , so I decided  to use pricks from western movies. 86 beats lasts 52 seconds. It really hurts when people look at it. In my opinion, it is a pleed for non-violence because the hurting cruelty deterres and, in this point, makes a clear difference to wars that are conducted with electronic means.

… und du suchst ihr Herz    
05:13, 2006

The  work  plays with voyeurism. All the take-off-clothes-scenes are found footage material from famous films. The scenes show very short cuts of men and women who take off their clothes or the clothes of others in very different situations. Before shown naked they vanish in a kind of image disturbance. The mixture of original sound and sound from outside like playing children, birds, cars and a motor-bike audible from far through a closed window emphasizes the feeling of sitting in a closed room and watching those scenes alone, maybe secretly.

Warum arbeitest du mit Video und neuen Medien? Welche Möglichkeiten eröffnet dir diese Arbeit? Arbeitest du auch mit anderen Medien

Die Tatsache, dass jeder sein eigenes Audio- und Videostudio quasi auf dem Schoß haben kann, ist eine riesige Möglichkeit für alle Künstler. Video und Animation ermöglichen es mir, über erweiterte Inhalte und Möglichkeiten von Zeichnung (und Malerei) nachzudenken. In 4 Stücke in Echtzeit nutze ich eine Kamera, um minimale Bewegungen in sehr ruhige Arbeiten aufzunehmen. Das Medium Zeichnung rückt in die Dimension Zeit. Die Raumzeichnungen erfordern ebenso ein bisschen Zeit und legen einen Rhythmusnahe, in welchem man sie begeht und betrachtet.

In meiner Arbeit ist es ganz oft wichtig, die persönliche Geste zu minimieren. In Zusammenhang damit steht meine Vorliebe für unbemerkte oder sogar störende Alltagsmaterialien oder -Geräusche und -Situationen. In hässlichen Schmuddelecken finde ich oft die Orte für  Raumzeichnungen im öffentlichen Raum.  Für die Printer Drawings nützen mir Fehldrucke als Inspiration, und die Printer Pieces transformieren das Schnarren eines Ink Jet Printers zur Musik für eine Raumprojektion.

Insgesamt benutze ich alle Medien, wenn ich sie brauche. Bisher sind es Video, Audio, Drucker, Fotos, aber auch altmodische Werkzeuge wie Blei-, Bunt- und Filzstifte, Edding, ferner Plotterfolien und Klebebänder aller Art.

It is a huge opportunity that everybody can have his own audio and video studio on his lap. Video and animation enable me in thinking about extended contents and opportunities of drawing (and painting). In „4 pieces in real time“ I use a camera to integrate very minimal movements into very quiet works. The medium of drawing transfers into the dimension of time. Also,  the space drawings require some time and a rhythm of walking through it and of watching it.

In my complete work, I often try to minimize the personal gesture. This focus goes parallel with my affection to unnoticed or even disturbing every-day-materials and -events. In ugly corners I find spaces for my public space drawings.  My printer pieces  transform the ugly noise of a printing inkjet printer into the music for a  space projection.

I use every media if I need it. I use: printers, photographes, also old fashioned pencil drawing, edding, I make space drawings with adhesive sheets and adhesive tapes. And I use footage from movies.

Welche Themen beschäftigen dich in deiner Arbeit? Wie findest du deine Motive, Themen? 

Meine Arbeit beschäftigt sich oft mit Erscheinungen, die fast nicht wahrnehmbar sind.Zunächst habe ich ein romantisches, fast naives Interesse an Bildern, an dem was ich allgemein sehe. Als zweites kommt ein basales Misstrauen Bildern gegenüber hinzu. Diese Ambivalenz, das Spannungsverhältnis zwischen Wirklichkeit und Wahrnehmung findet man in fast allen meiner Arbeiten wieder. Oft finde ich meine Themen durch Zufall: manchmal wird etwas, das mich gestört hat, zum material für meine Arbeit.

My work often deals with nearly imperceivable impressions. There is a difference between a basical romantic  and naive interest in pictures and situations and the question of how much you can trust images. This ambiguity is part of nearly all my works.

I am interested in many phenomena. Many are from garbage, or, from not working things like failed prints of a dieing  printer, or a dying  printer itself. In nearly each of my works, the  tension between perception and reality is important. Often I find my subjects by accident: sometimes something that has disturbed me for a long time, becomes material for a work.


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