Corinna Rosteck

CV   |   Interview mit Corinna Rosteck | www.corinna-rosteck.de

Getting Wasted
ROSTECK | GRETZKI | SUPERART.TV Eric Carstensen & Michael Volkmer
04.12.11 – 14.01.12 

CV:

*1968, lebt und arbeitet in Berlin

Ausbildung und Lehrtätigkeit:  2008 Mentor an der Udk (Universität der Künste Berlin) | 2006 Dozentur für Fotografie an der Dresdener Sommerakademie | 1997-98 International Center of Photography (ICP), New York, USA, Teaching Assistant for Advanced Digital Imaging, New York | 1994 Meisterschülerdiplom Photomedien bei Prof. K. Sieverding (UDK), Universität der Künste, Berlin | 1993 Abschlußdiplom Malerei bei Prof. K. Gonschior (UDK), Berlin | 1991-92 Advanced Diploma Printmaking, Central St. Martin’s College of Fine Art (CSM), London | 1987-94 Studium an der Universität der Künste (UDK), Malerei und Künstlerische Fotografie, Abschlussdiplom, Berlin

Stipendien und Preise:  2008 Einzelpräsentation des Deutschen Expo Pavillions, Zaragoza | 2006 Sickingen Kunstpreis, Pfalzgalerie Kaiserslautern, Alfred-Rethel-Preis der Stadt Wetter | 2002 Saar Ferngas Preis, Museum Ludwigshafen | 1998 DAAD Stipendium, International Center of Photography (ICP), New York, 1.Preis, MEWA AG, Wiesbaden | 1997 Stipendium des Deutsch-Französischen Jugendwerkes, Paris | 1995 Nachwuchsförderungsstipendium (Nafög), Berlin, DAAD Stipendium für Japan und USA | 1991-92 Erasmus Stipendium für London

Übersicht über Ausstellungen

Interview mit Corinna Rosteck:

Erzähle uns etwas zur Entstehung deiner Arbeiten. Wie kam es dazu?

Zur Videoinstallation Circular:

Fotografien und Filmaufnahmen bilden die Basis der Videoinstallation, die sich im Eingangsfoyer der Leading Infusion Factory Europe L.I.F.E., B.Braun AG, Melsungen befinden. Gezeigt werden Aufnahmen aus der Produktion von Infusionslösungen im alten und neuen Werk sowie der Einsatz der Produkte im Klinikum Kassel. Das Video Circular läuft im Loop auf einem großen Plasmabildschirm, der in das Fenstersegment architektonisch integriert ist, sodass gleichzeitig der Blick in die aktuelle Produktion (Kochsalzlösungen) sichtbar ist. Ein weiterer Bestandteil des Videos ist die Historie und die Entwicklung des Produktes Infusionslösung. Ergänzt wird die Videoinstallation durch den Leuchtkasten wake. Der Ausgangspunkt der künstlerischen Konzeption ist der Kreislauf des Wassers, der für den Menschen elementar und lebensnotwendig ist.

Gerade bei dieser Foto-und Videoinstallation ist das Thema Getting Wasted hervorragend umgesetzt, lebensnotwendiges Wasser in Kombination mit dem beschriebenen Herstellungsprozess, in allen Facetten beleuchtete sinnliche Vielfalt und der Einsatz am menschlichen Körper, da, wo Wasser und Infusionen bei lebensnotwendigen Operationen in den Organismus aufgenommen werden. Der Betrachter wird mit allen Sinnen davon erfasst, wenn er das Gebäude betritt, Sound aus der Decke, Bilder im Plasma, die sich mit der eigentlichen Herstellung und Produktion, die darunter vorbeifährt, überlagert, und das Bild von der untergehenden und auftauchenden Schwimmerin versetzen den Betrachter in einen beunruhigenden, gespannten Moment.

(c) Corinna Rosteck

(c) Corinna Rosteck

Sehr deutlich wird die Frage zur Entstehung dieser völlig eigenständigen Arbeit – unabhängig von der ursprünglichen Auftragsidee – im Interview im Hr 2 online vom Mai 2011 zu „Hauptsache Kultur“ beantwortet (Link1 oder Link2). Auch auf der Unternehmenswebsite (Link3) und in einem Artikel aus „Der Architekt“ (Oktober 2010, Link4) gibt es weiterführende Informationen.


Zu Whirl&Wake:

In der Video- und Fotoinstallation Whirl&Wake arbeite ich filmisch mit Sequenzen aus Standbildern. Das Video wird in die Tonne auf eine Acrylglasscheibe projiziert, Sound und Videobeamer sind unter der Tonne versteckt, in der sich Wasser befindet. Der Schatten einer Figur versinkt in der Transparenz des Wassers und dreht sich in die Tiefe. Eine ständig kreisförmige Bewegung vom Hineinsinken und Emportauchen deutet einen Strudel an. Strudel und Kielwasser fordern jene Schwimmbewegungen heraus, die der Mensch ausführt, um die Tiefe zu ergründen. Das Vorhaben ist verführerisch wie gefährlich. (Material: Foto im Leuchtkasten, 1,00×1,50 m, DVD-Video, 3,7 min. Loop, Beamer, Tonne Ø 80 cm, Plexiglasscheibe, Wasser, Sound).

Warum arbeitest du mit Video und neuen Medien? Welche Möglichkeiten eröffnet dir diese Arbeit?

Video und Fotografie sowie digitale Medien sind für mich das schnelle, unmittelbare Reagieren auf Wirklichkeit, was ich mit meinen langjährigen Erfahrungen aus dem Blick der Malerei überlagern und zeitgemäß umsetzen kann.

Meine großformatigen Fotografien und Videoinstallationen von lichthaltigem und reflektierendem Wasser changieren zwischen gegenständlicher Reproduktion und abstrakter Struktur. Die Wirkung der malerisch bewegten Oberflächen wird dabei vom metallischen Widerschein des Aluminiumbildträgers, der sich je nach natürlichem Lichteinfall im Ausstellungsraum verändert, formal gesteigert und entspricht der lebendigen, sich ständig verändernden Erscheinung des Wassers.

Die Installationen auf Metall, Glas und als hinterleuchtete Elemente wie z.B. Leuchtkästen nehmen sowohl Bezug auf architektonische Besonderheiten eines Raumes als auch auf seine Funktion. Es findet dabei eine Erweiterung in und durch den Raum statt. Fotografie, sowie zumeist raum- bzw. kontextbezogene Videoprojektionen aus dem Blick der Malerei, sind zentrale Elemente meiner Arbeit, die sich gegenseitig durchdringen und beeinflussen.

Aus dem Zusammenspiel von Material, Raum, Farbe und Licht entwickle ich Konzepte, die die Vielfältigkeit sinnlicher Wahrnehmung steigern.

Meine Fotoarbeiten erweitern den Raum. Ich möchte diese in Installationen einerseits in Kunsträumen zeigen, andererseits weiterhin raumgreifende Konzepte an der Architektur und im öffentlichen Raum realisieren.

Fotografieren heißt für mich Abstand nehmen von Zeit und Raum, von vorgefertigten Bildern. Augen-Blicke, eingefangen mit der Kamera und durch die künstlerische Bearbeitung überhöht, verleihen der Flüchtigkeit eine dauerhafte und intensive Gestalt.

Das Überschreiten der fotografischen Grenzen spielt in Hinblick auf die Präsentationsform von meinen Bildern eine bedeutende Rolle.

Wasser und Bewegung spielen eine große Rolle in deiner Arbeit. Welche Themen beschäftigen dich? 

Frage 2 und 3 lassen sich nicht so klar trennen …

Meine Bilder thematisieren Spiegelungen und Oberflächen im Stadtraum und in der Landschaft des Liquiden und beim Tanz. Meine Bilder sind mit der Kamera gemalt. Sie sind raum- bzw. kontextbezogene Installationen zwischen Fotografie, Malerei und Architektur und erweitern den Raum. Vielschichtige Verflechtungen zwischen Gesehenem und Betrachter, Bild und Abbild, flüchtigen Bildern und haptischen Elementen evozieren ein Gefühl beunruhigend konstruierter Realität.

Es bleibt die Sehnsucht nach dem einen, dem greif-baren Bild.


Diese Wirkung haben gerade die Wasser-Aufnahmen …

Ich experimentiere mit besonders lichtempfindlichen Materialien und Oberflächen, die ich hierfür speziell entwickelt habe. Wenn die metallischen Fotoarbeiten bzw. deren Oberflächen tagsüber leuchten, so verwandeln sie sich bei sehr wenig Licht zu reflektierenden Bildkörpern, die intensiv in den sie umgebenden Raum ausstrahlen und wahrgenommen werden. Die materielle Präsenz der liquiden Strukturen scheint einer immateriellen „Lichtgestalt“ zu weichen – ein Eindruck, der sich bei meinen neueren Arbeiten noch verstärkt. Denn sie strahlen auch ohne Lichtquelle weiter, die bewegten Körper in meinen Tanzbildern treten aus den Bildern heraus ans Licht.

Aluminium als reflektierender Bildträger spiegelt den Betrachter mit im Bild. Der starre kühle Metallcharakter der Oberflächen wird dadurch aufgebrochen.

Die Position des Betrachters verändert sich – je nach Standpunkt. Der Betrachter erfährt Bewegung im Bild und zugleich die eigene Bewegung im Raum. Es entstehen dadurch wechselnde Ein-Blicke. Körper, Bildträger und Raum gehen einen Dialog ein. Die Bilder strahlen auch ohne Lichtquelle weiter, die bewegten Körper treten scheinbar aus den Bildern heraus ans Licht.

Für das Motiv des Wassers ist diese Technik geradezu prädestiniert, denn sie erzeugt unglaublich realistische Wahrnehmungseffekte: Je nach Lichteinfall und Standpunkt des Betrachters changieren die Farbtöne des Wassers, fast scheint sich seine Oberfläche sanft zu bewegen. Das Spiel des Lichts, das der Betrachter nahezu zwangsläufig mit dem Element „Wasser“ und „Fassaden“ assoziiert, findet auf der Bildoberfläche faktisch statt.

Durch die technische Umsetzung verliert das Bild seine Eigenschaft als statisches Medium. So gelingt es mir, den „eingefrorenen“ Blick der Kamera zu überwinden und den typischen Charakter von Wasser und Bewegung „körperlich“ zu fassen. Zusätzliche Unterstützung erfährt dies durch die bewusste Einbeziehung analoger und digitaler Unschärfen, welche die Strukturen fließend und weich erscheinen lassen.

Es geht um die Erweiterung des fotografischen Blickes im Moment der Bewegung.



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